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Prof. Succow: Formen der Landnutzung müssen Grundwasserneubildung ermöglichen

 

Ende September 2026 veranstaltete der Verein Klima und Alltag Neuruppin e.V. eine Gesprächsrunde mit Professor Doktor Michael Succow, 1990 Schöpfer des Nationalparkprogramms der DDR und Träger des Alternativen Nobelpreises.

Seine Hauptsorge gilt derzeit dem fehlenden Wasser in der Landschaft. Nach jahrelangem Niederschlagsdefizit und in Anbetracht der Wirkungen des Klimawandels sowie der Notwendigkeit, die Millionenstadt Berlin mit Trinkwasser versorgen zu müssen, muss in Brandenburg radikal umgesteuert werden. Das weniger werdende Regenwasser muss zurückgehalten, die Grundwasserstände müssen angehoben werden. Aber wie? Auf Gebäude und Straßen fallender Regen ist kaum rückhaltbar. Die Wälder fallen als Gebiete zur Wasserrückhaltung weitgehend aus, weil Kiefern mit ihren tiefgreifenden Pfahlwurzeln auch im Winter Wasser benötigen und ansaugen. Ein rascher Umbau zu Laub- und Mischwäldern ist schlicht nicht finanzierbar. Einzige Möglichkeit: Von selbst ausgesamte und wachsende Laubbäume vor Verbiss durch Wild schützen. Leider schimpfen die Jäger lieber über den Wolf, statt dankend seine Hilfe anzunehmen bei der dringenden Aufgabe, die überhöhten Wildbestände umgehend zu dezimieren.

 

Ebenso hält Ackerland kaum noch Niederschläge zurück, weil der Ackerboden durch die heute übliche schwere Landtechnik viel zu verdichtet ist, um Versickern von Niederschlagswasser zu ermöglichen. Beim Ackerbau treibt den Bodenkundler noch eine weitere Sorge um: Der Verlust von Humus, von natürlicher Bodenfruchtbarkeit durch übermäßigen Einsatz von Agrochemie, insbesondere von Glyphosat, und Bodenerosion. Gegen Letzteres würden z.B. Hecken und Gehölzstreifen schon viel Nutzen bringen. Hier gilt es jetzt die Voraussetzungen zu schaffen, dass auch künftige Generationen von diesem Boden noch ernährt werden können.

 

Bleibt eigentlich zur Lösung des Wasserproblems nur das Grünland. Prof. Succow war vorher im Rhinluch, wo er am Beginn seiner Berufstätigkeit das Niedermoor erforscht hatte. Der jetzige Zustand des Luchs mit trockenen Bewässerungsgräben (in einem ehemaligen Sumpfgebiet!) hat ihn erschüttert. Gerade das Rhinluch muss ganz anders bewirtschaftet werden, um dereinst Berlin mit Wasser versorgen zu können. Die Flächen müssen großflächig vernässt, die Landwirtschaft auf extensive Weidewirtschaft, etwa mit Wasserbüffeln, umgestellt, neue Formen der Biomassenutzung entwickelt und eingesetzt und größere Gebiete zur Not ganz aus der Nutzung genommen werden. Das Problem ist die einst durch die SED erzwungene und nach 1990 nicht angetastete Großflächenwirtschaft mit dem Ziel maximaler Profite und die daraus folgenden Eigentumsverhältnisse. Jahrhundertelang haben die Bauern auf ihren Flächen so gewirtschaftet, dass auch ihren Kindern und Enkeln Bodenfruchtbarkeit und Wasser zur Verfügung standen. Heute ist Grund und Boden nur mehr eine auf dem Bodenmarkt handelbare Ware. Ist diese verbraucht, wird sie verkauft oder anderweitig genutzt. Damit und mit unserem Umgang mit Wasser sägen wir alle an dem Ast, auf dem wir sitzen. Succow ist dennoch optimistisch: Er hat 1990 erlebt, dass sich Verhältnisse rasch ändern können. Man muss dann nur einen Plan haben. Er hatte ihn 1990 – und rettete uns das "Tafelsilber der deutschen Einheit."

 

Heinz-Herwig Mascher